Zwei Tage, die den Frauen gewidmet sind, liegen dicht beieinander: Der Weltgebetstag der Frauen am 6. März und der Weltfrauentag am 8.März. Gesellschaftsbilder spiegeln sich in Medien und reproduzieren sich gleichzeitig durch diese. Wir werfen aus diesem Anlass einen Blick auf Frauen im aktuellen Film.

Filme über Frauen , die Restriktionen oder Diskriminierung erleben und – aller Widerstände zum Trotz – für ihre Rechte eintreten, haben derzeit Konjunktur im Kino.

Eine für Europäer exotisch anmutende Welt der Regeln betritt das Publikum im Film “Eine perfekte Kandidatin” von der Regiseurin Haifaa Al Mansour. Sie erhielt bereits für die Geschichte des Fahrrad fahrenden Mädchens Wandja internationale Aufmerksamkeit, da der Film komplett in Saudi-Arabien gedreht wurde. Doch was die junge Ärztin Maryam, gespielt  von  Mila Al Zahrani, in ihrem Berufsalltag an sexistischen Anfeindungen erleben muss, ist je nach Bezugsrahmen auch Frauen in westlichen Ländern nicht fremd. Besonders, wenn sie ausbrechen und Leitungspositionen einnehmen, in denen noch immer häufig “glass ceilings” bestehen, die sie zunächst überwinden müssen. Gerade aufgrund der nicht übersehbaren Missstände, wie die kaputte Straße vor ihrer Klinik, die sie nicht hinnehmen will, kandiert Maryam für den Gemeinderat. Auch ihre Schwestern beugen sich nicht und üben unkonventionelle Berufe, wie Hochzeitsfilmerin, aus. Der Film zeigt auch deutlich wie festgefahren auch die Männerrollen sind und, dass es einen großen Unterschied zwischen dem Außen und Innenleben der arabischen Gesellschaft gibt, wie Barbara Schweizerhof, dies in ihrer Filmkritik erläutert:

Außen, auf den Straßen, bieten Land und Leute ein sehr homogenes, ja, uniformes Bild mit den schwarz verhüllten Frauen und den nicht weniger gleichgeschaltet in weiße Qamis gehüllten Männern. Aber sobald die Innenräume betreten werden, wird alles auf bunte Weise lebendig und vielfältig.

Barbara Schweizerhof, epd-film.de

Auch der Vater der jungen Frauen sprengt auf seine Weise den Rahmen, wenn er mit seiner Band auf Tournee ist und ekstatische Konzerte feiert. Die deutsche Filmbewertung hat Al-Hassins Film das Prädikat besonders wertvoll verliehen. Zum Film sind auch passende kurze Unterrichtstipps im Netz verfügbar.

Der sechsfach für den Oscar nominierte Historienfilm “Little Women“, von Greta Gerwig, wartet mit berühmten jungen Schauspielerinnen wie Emma Watson und Koryphäen wie Meryl Streep auf. Die Coming-of-Age-Geschichte geht auf den gleichnamigen, feministischen Roman von Louisa May Alcott zurück und enthält viele autobiographische Anteile. Er wurde bereits im 20 Jh. mehrfach verfilmt unter anderem 1933 mit Größen wie Katherine Hepburn. Da offensichtlich Frauen noch immer auf die Bereiche “Ehefrau und Muttersein” reduziert werden, bleibt die Thematik der vier Schwestern, die gegen diese Rollenstereotype kämpfen und sich selbstverwirklichen wollen, auch heute noch ein aktueller Stoff. Auf Vision Kino gibt es das Heft Filmtipp mit pädagogischem Zoom für den Einsatz des Films im Unterricht gratis als Download.

Knalleffekt wäre die genaue Übersetzung des biographischen Filmdramas “Bombshell – Das Ende des Schweigens”. Jay Roach zeigt eine Gruppe von Frauen im Kampf gegen den ehemaligen FOX News Chef Roger Ailes, unter dessen sexuellen Übergriffen und Anfeindungen sie alle leiden und nicht länger in ihrer Opferrolle verharren wollen. Der Film glänzt mit einer hochkarätigen Starbesetzung: Darunter Nicole Kidman als Gretchen Carlson, die die Klage gen Ailes einreichte, Charlize Theron, als die populäre wie umstrittene Moderatorin Megyn Kelly, und Margot Robbie als dem fiktiven Figur Kayla Pospisil, inder mehrere Frauen zusammengefasst werden. Der auf wahren Ereignissen basierende Film schafft den Spagat, zu zeigen wie systematisch erfolgreichen Frauen Unrecht angetan wurde – ohne diese zu heroisieren und sie gleichsam mit ihren nicht unbedingt liebenswürdigen Eigenschaften darzustellen. Sabine Horst von Zeit.de bringt dies in ihrer Rezension gut auf den Punkt:

Der Film “Bombshell” zeigt am Beispiel Fox News, wie sich Rape Culture in der Arbeitswelt festgefressen hat. Mit den Protagonistinnen sympathisiert man dennoch wenig.

Sabine Horst, Zeit.de

Die neue ZDF Kultur Web-Reihe FilmFrauen. Die Interviews von der Autorin und Regisseurin Jana Buchholz, wurde im Januar 2020 für den Grimme-Preis nominiert. Die Webserie ist Teil des digitalen Kulturraums ZDFkultur und wird auch über Drittanbieter geteilt. Hier kommen Frauen zu Wort, die vor und hinter der Kamera stehen, wie die preisgekrönte Regisseurin Emily Atef, die Entertainerin und Schauspielerin Palina Roijnski oder Comedian Annette Frier (im Bild). Sowohl humorvoll als auch ernst geben sie Einblicke in die Filmbranche, schildern persönliche Erfahrungen und äußern klare Statements zu Geschlechterrollen und anderen gesellschaftlichen Fragen. “Wir sind keine Minderheit,” ist eine der Botschaften, die Emily Atef pointiert herausstellt, “sondern 52% der Gesellschaft!”.

Außerdem sehenswert ist der Film “Jenseits des Sichtbaren – Hilma Af Klint” über die oft vergessene frühe Expressionistin, der heute am 05.03.2020 startet. Hier der Link zum Trailer und zur Filmkritik von epd-film.de.

Ausleihtipp: Zum Weltfrauentag 2019 hat der Ökumenische Medienladen eine Liste mit bereits entleihbaren Filmen und Begleitmaterialien erstellt.