Constanze von Kitzing Titelbild des Kinderbuchs "Ich bin anders als du"

Schade, dass Vielfalt im Kinderbuch ein Thema ist und nicht einfach normal“, dieses Statement ist von der Illustratorin und Autorin Constanze von Kitzing. Sie war bei der ersten Online-Lesung der Fachstelle Medien am 15.04.2021 mit ihrem Kinderbuch „Ich bin anders als du. Ich bin wie du“ virtuell Gast.

Für Constanze von Kitzing ist die Darstellung von gesellschaftlicher Diversität selbstverständlich. Diese Vielfalt findet man auch in ihren früheren Bilderbüchern: „Ich bin jetzt…“ oder „Ich mag…„, die sich an jüngere Kinder richten und sich mit Gefühlen und Vorlieben beschäftigen. Durch das positive Feedback ihrer Leser*innen bestärkt, merkte die Autorin wie wichtig es ist, dass sich alle Kinder in Geschichten wiederfinden. Denn häufig fehlt es an der Repräsentanz von Menschen unterschiedler Hautfarben und Ethnien (treffender als BI-POCS, d. h. Black, Indigenous, People of Color bezeichnet) sowie verschiedenen Familienmodellen, Geschlechtsidentitäten oder Menschen mit Behinderungen. Ihr Verlag Cornelsen nahm diese Rückmeldungen auf und bat Constanze von Kitzing ein weiteres Buch zu entwerfen, das explizit das Thema Toleranz aufgreift. Das ist der Hintergrund zu „Ich bin anders als du. Ich bin wie du“, das sie in der Online-Lesung vorstellt.

Constanze von Kitzing ist für dieses Wendebilderbuch und das Wörterbuch „Unser große bunte Welt“ mit dem Kimi-Siegel für Vielfalt ausgezeichnet worden. Dieser Preis wird jährlich an Kinder- und Jugendbücher vergeben, die viele verschiedene Kriterien im Bereich Diversität auf unterschiedliche Weise umsetzen.

Unter den über fünfzig Teilnehmer*innen, die der Einladung zu dieser Premiere der Fachstelle folgten, sind auch einige Kinder. Mit Liedern, Fragen und einem digitalem Malrätsel werden sie aktiv in die Lesung mit einbezogen. Kitzings Erfahrung ist, dass die meisten Kinder häufig sehr unvoreingenommen an Geschichten herangehen. Sie beschreiben in eigenen Worten, was sie an Unterschieden und Gemeinsamkeiten bei den Bildern erkennen.

Das Beobachten ist auch die Methode, die die Illustratorin wählt, um ihre Figuren zu erschaffen: „Ich zeichne, was ich sehe“, beschreibt sie ihr Vorgehen. Durch ihre eigene multinationale Familie hat sie einige Erfahrung in diesem Feld. Wenn sie sich in einem Bereich nicht sicher fühlt, sucht sie das Gespräch. Zum Beispiel mit Eltern von Kindern mit Behinderungen, so kam auch das Mädchen Sonea mit Trisomie 21 in ihr Buch. Auch bei der Erstellung neuen erweiterten Ausgabe von „Ich bin anders als du. Ich bin wie du“, bei der das Bilderbuch von kurzen Erzählungen ergänzt wird, fragte sie viel nach: Was erzählt wohl ein Vater, der in Afrika aufgewachsen ist, seinen Kindern beim zu Bett bringen? Die Antwort des Papas, der für die Geschichte das Vorbild war, ist nun in dem Vorlesebuch zu finden.

Die Autorin Constanze von Kitzing (links) zeigt beim Gespräch mit Verena Niethammer (rechts) von der Fachstelle Medien eine Doppelseite aus einem früheren Kinderbilderbuch.

Im anschließenden Fachgespräch werden Möglichkeiten über Vielfalt mit Kindern und Jugendlichen zu sprechen thematisiert. Dabei wird deutlich, dass es eine Gratwanderung ist, eine positiven Sicht auf Vielfalt, als eine Bereicherung für das menschliche Miteinander zu vermitteln – ohne gleichzeitig bestehende Diskriminierungen zu ignorieren. Auch bei Kinder- und Jugendmedien gilt es aufmerksam zu sein und an der Zielgruppe anzuknüpfen. Was sind deren Themen? Vieles spricht dafür mehr Medien zu verwenden, die von vornherein gesellschaftliche Diversität darstellen. In machen Situationen ist es sinnvoll ein Buch oder Film zu wählen, das einen Aspekt in den Vordergrund stellt, um diesen gezielt zu besprechen z.B. eine Familie mit gleichgeschlechtlichen Elternteilen. Dabei ist zu reflektieren, dass dadurch Menschen, als „besonders“ herausgestellt werden. Diesen Effekt kann man auch durch gezielte Ansprache sichtbar machen. Auch Klassiker können mit einer entsprechenden Fragestellung quer oder neu gelesen werden, so bietet der Heidi, beispielsweise Anknüpfungspunkte über Freundschaft und Behinderung sowie Familie und Heimat zu reden.

Spannend ist auch mit den Kindern ihre sich langsam ausbildenden Vorstellungen hinterfragen: „Warum kann nur ein Mädchen mit langen Haaren und Kleid eine Prinzessin sein?“ oder „Sind Farben nicht für alle da?“ Welche Schönheitsideale und Geschlechterstereotype begegnen uns alltäglich in Social Media oder wie wird Diversität aktuell zur Vermarktung genutzt? Diese Fragen können je nach Alter und weiteren Aspekten der Zielgruppe angepasst werden. Wer erst einmal die „Vielfalts-Brille“ aufgezogen hat, dem werden künftig viele mehr oder weniger gelungene Beispielen für die Darstellung und Thematisierung von Diversität begegnen. Die Lesung mit Constanze von Kitzing hat hier sicher einige Impulse gegeben, um selbst genau zu beobachten, hinzusehen und nachzufragen.

Weitere Materialien und Informationen „Vielfalt und Diversität„:

Medien- und Literaturlisten

Die Sammlungen wurden in Kooperation mit dem Ökumenischen Medienladen zur Veranstaltung erstellt.

Online-Links für Vielfalt in Kinderbüchern und bei Spielzeugen: