Bei den Academy Awards war Parasite von Bong Joon-ho der Gewinner des Abends. Er gewann am 09.02.2020 den Oscar in vier Kategorien: Beste Regie, Bestes Original-Drehbuch, Internationaler Film und  – als bemerkenswerte Premiere in der Oscar-Geschichte –  wurde dem südkoreanischen Film, als erster nicht englisch sprachiger Film, der Oscar für den besten Film verliehen.

Ein sicher ungewohnter Anblick für das amerikanische Publikum sind die Untertitel des asiatischen Films. Bong Joon-ho mutet den Zuschauer*innen aber noch weitaus mehr zu. Parasite ist, wie viele seiner Produktionen, schwer einem Genre zuzuordnen, er wird unter anderem als Satire-Drama und schwarze Komödie bezeichnet.

Der Film führt nach Seoul in eine Welt in der extremen Gegensätze von elend arm und stinkreich zu zwei Familien, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Die Kims, die in einem heruntergekommenen Kellerloch hausen und die Ausbildung ihrer Kindern nicht zusammen bringen können. Parallel wird das Luxusleben, das die Familie Park über den Hügeln der Stadt in ihrer puristischen Villa der Superlative führt, gezeigt, umringt von Personal, das ihnen rund um die Uhr zur Verfügung steht.

Dieses Setting und die Figurenkonstellation erinnern an den Zweizeiler von Berthold Brecht: „Reicher Mann und armer Mann standen da und sah’n sich an, und der Arme sagte bleich: ‘Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.’“ Doch hier sind die Grenzen nicht statisch und fixiert. Denn durch sein Talent zum Hochstapeln gelingt es Ki-woo, dem erwachsenen Sohn der Kims, sich als angeblicher Nachhilfelehrer einen Job bei der Upperclass zu sichern. Nach und nach holt er mit seiner Schwester und mit Hilfe von erfundenen Abschlüssen und gut gefälschten Dokumenten weitere Familienmitglieder nach. Stück für Stück beginnt die Unterwanderung. Spannend wie ein Thriller und zugleich voll düsterem Humor. Wer ist hier der Wirt und wer wird ausgesaugt?

Es ist kein einfaches Schwarz-weiß-Portrait das Bong Joon-ho hier zeichnet. Der Spiegel lobt das Sozialdrama für all die die Anspielungen und Metaphern, die geschickt platziert sind. Außerdem würdigt der Bericht die Kunst, dass hier viele Sinne, ins besondere der Geruchssinn angesprochen werden. Parasite beeindruckt mit mutiger Kapitalismuskritik, die auf die gesamte moderne westliche Lebenswelt übertragbar ist. Die Spannung und der latente Zorn sind früh wahrzunehmen und  gipfeln in einer Eskalation der Gewalt. Auch hier im Brecht’schen Sinn „Erst kommt das Fressen und dann die Moral“ wird Blut fließen. Ein Film der nachwirkt und sicher viele der Galagäste noch verfolgte, als sie vom Chauffeur in ihrer Luxuslimousine nach Hause geleitet wurden.

Parasite ist ab 5. März 2020 im kfw-Programm mit Arbeitsmaterial als DVD und Online-Lizenz verfügbar.

 Bildquelle: https://filmwerk.de/parasite-schreibt-oscar-geschichte/