La donna e mobile – wörtlich: Die Frau ist wankelmütig – ist die wohl bekannteste Arie aus Giuseppe Verdis Rigoletto, gesungen vom Herzog von Mantua. Das Lied, das eigentlich eher den Charakter einer Projektion hat, denn wankelmütig ist vor allem der Herzog selbst, der sich ständig in andere Frauen verliebt und diese nur benutzt, ist dabei grandios in Szene gesetzt. Vielbrüstige Frauenfiguren baumeln an der gigantischen Kulissenhand und zappeln tatsächlich wie ein „Mobile“ in der Bregenzer Nacht. Der Herzog selbst – im Kostüm eines Zirkusdirektors mit Peitsche – hat seinen Spaß daran. Inszeniert wurde die Oper von Phillip Stölzl, der als Opernregisseur kein unbekannter ist, aber auch als Filmregisseur (Nordwand, Der Medicus, Winnetou – Der Mythos lebt) schon namhafte Werke auf die Leinwand bzw. den Bildschirm gebracht hat. Vor allem als Werbefilmer und als Musikvideoproduzent (Rammstein, Madonna, Gianna Nannini, Anastacia, etc..) hat Stölzl sich einen Namen gemacht. Das merkt man der Inszenierung – im positiven Sinne – auch an. Stölzl verzichtet auf allzu viele Stunts – und sonstige Eskapaden mit Wasserspringern z.B., die man in Bregenz auch schon gesehen hat, und setzt dafür mehr auf eindringliche Symbole, wie etwa den Ballon (in der anderen Kulissenhand). Dieser erhebt sich zwei Mal in den Bregenzer Nachthimmel: Das erste Mal als Gilda ihre Liebe zum Herzog besingt und das zweite Mal, als sie in den Armen ihres Vaters stirbt und zur Mutter in den Himmel geht. Auf diese Weise hat das eigentlich sehr tragische Stück, doch auch eine Hoffnungsbotschaft am Ende.

Rigoletto, die im Grunde wenig sympathische Hauptfigur des Stücks, verliert ebenso zwei Mal im Stück, den Ballon aus seiner Hand. Außerdem wird seine innere Demontage durch eine äußerliche Entkleidung und natürlich durch den das Bühnenbild beherrschende riesigen Clownskopf dargestellt, der sich im Verlauf des Stücks durch Verlust von Nase und Augen in einen Totenkopf verwandelt. Ohnehin steht die Blässe der Kulisse in einem interessanten Gegensatz zu den farbenfrohen (Zirkus-) Kostümen der Darsteller. Dadurch schiebt sich die Kulisse, die traditionell eine der Bregenzer Hauptattraktionen ist, nicht ganz so stark vor das Spiel der Protagonisten und Stölzl kann auf eine Vielzahl von Effekten verzichten. Die nicht verzichtbaren, wie das Gewitter am Ende und der Regen, der hauptsächlich aus den leeren Augen des Schädels kommt, sind dafür umso wirkungsvoller eingesetzt. Stölzl selbst sagt im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk über seine Inszenierung: „Die Protagonisten Rigoletto, der Herzog und der Mörder Sparafucile sind alle gebrochene, vielschichtige Figuren, die sowohl gute als auch sehr schlechte Seiten haben. So gesehen ist es ein sehr modernes Stück, bei dem sich jeder selbst sein Bild machen muss, statt den guten Helden und den Bösewicht vorgesetzt zu bekommen. Und es ist unglaublich aktuell, denn es handelt im Kern von männlichem Machtmissbrauch und sexueller Ausbeutung. Es ist ein Stück, das auf sehr direkte und schlüssige Art die #MeToo-Debatte der letzten Jahre heraufbeschwört.“

Fazit: Eine eindringliche und sehr gelungene Inszenierung, gerade weil sie ihre Mittel sparsam und überlegt einsetzt.

Bild: © Bregenzer Festspiele / Anja Köhler