Bahnschienen die richtung des KZ Auschwitz führen im Abendrot

Vor 76 Jahren am 27.01.1945 wurden die Überlebenden des Konzentrations- und Massenvernichtungslager Auschwitz und seinen Nebenlagern von der Roten Armee befreit. Der Dokumentarfilm „Ein Tag in Auschwitz“ von Winfried Laasch und Friedrich Scherer erzählt aus Sicht der Opfer und einiger Täter von einem Tag in Auschwitz im Mai 1944.

Auschwitz gilt heute als Synonym für den Holocaust. Über 1,1 Millionen Menschen wurden dort von 1940 bis 1945 durch die SS des totalitären NS-Regimes ermordet. Als Grundlage des Dokumentarfilms dienen die Aufnahmen des SS-Fotografen Bernhard Walter, der zahlreiche Fotografien an einem Maitag 1944 anfertigte. Sie werden filmisch derart aufgearbeitet und perspektivisch gezeigt, dass sie dreidimensional erscheinen und alle Personen – die Aufseher, die Häftlinge jeden Alters von Kleinkindern bis Greisen – sie alle wirken, trotz des Schwarz-Weiß-Formats der alten Aufnahmen, sehr lebendig, man ist ihnen nahe. Doch die vermeintliche Nähe trügt, geben diese Fotografien doch den Blick der Täter wieder. Dennoch sind sie einzigen Zeugnisse, die das Vernichtungslager belebt zeigen: Die ankommenden Menschen, die aussortiert werden. Kleine Kinder mit ihren Müttern vor den Krematorien gesammelt werden.

Eine, die sich und ihre im Konzentrationslager getöteten kleinen Geschwister in diesen Aufnahmen wiedererkennt, ist die Auschwitz-überlebende Irene Weiss, geborene Fogel. Die 89-jährige Zeitzeugin erinnert sich noch genau an den Vortag ihrer Deportation, den Transport und die Vorgänge am Tag ihrer Ankunft. Zusammen mit den Fotografien Walters konnte der „Ablauf“ dieses Tag historisch genau rekonstruiert werden. Kein Begriff hierfür ist treffend, angesichts gezeitigten Grauens, an genau geplantem und organisiertem Aussortieren von Menschen und der gezielten Ermordung der Mehrheit von ihnen, kurz nach dem sie ins Vernichtungslager verschleppt wurden. Auch Inhaftierte, die Teil des Sonderkommandos waren und die Brennöfen befeuerten, kommen in dieser Dokumentation zu Wort. Diese eindrücklichen Schilderungen wird viel Raum gegeben.

Das ist ein Ausgleich zu dem unglücklich gewählten dramaturgischen Aufbau der eingeflochtenen Spielsequenzen und der spannungs-erzeugenden Filmmusik, die erscheint etwas deplatziert zur Untermalung der gezeigten Inhalte, des Mordes tausenden unschuldiger Menschen jeden einzelnen Tag, abgelichtet wie Aufnahmen aus einer Firma – einer „Tötungsindustrie“.

Die Aufnahmen des Lagerfotografen Walter hatte höchst wahrscheinlich der Lagerkommandant Höß in Auftrag gegeben. Die zwei daraus entstandenen Fotoalben sollten belegen wie „reibungslos die Vernichtungsmaschinerie“ funktionierte, mit der in diesen Tagen vor allem unzählige ungarische Juden ermordet wurden. Auch in den Frankfurter Auschwitz-Prozessen 1964/65 spielten Walters Fotografien eine wichtige Rolle und er selbst war als Zeuge geladen.

Ein beklemmender wichtiger Film, gerade heute, wenn das Grauen der NS-Zeit verharmlost und in der Pandemiekrise aktuell unangemessene Vergleiche zu Diktaturen, den Opfern und Widerstandkämpfern des NS-Regimes gezogen werden.

Der Film „Ein Tag in Auschwitz“ ist als Onlinemedium und DVD im Ökumenischen Medienladen entleihbar. Dort ist auch eine aktuelle Übersicht zu weiteren Medien und Literatur zum Holocaust-Gedenktag verfügbar.

Weitere Materialien, wie eine Fotoserie, zum Film gibt es gegenwärtig in der ZDF Mediathek (bis 2025).