Jojo Rabbit, hinter dem Spitznamen steckt der 10-jährige Jojo, der gegen Ende des Dritten Reichs mit seiner alleinerziehenden Mutter in einer fiktiven deutschen Kleinstadt lebt. Da der Hitlerjunge es bei einer Aufgabe nicht übers Herz bringt einen kleinen Hasen zu töten, wird er seitdem von seinen Kameraden aufgezogen.

Jojo schwärmt von Hakenkreuzen und wie viele Kinder stellt er sich einen imaginären Freund vor, der ihm zur Seite steht. Dazu wählt er ausgerechnet Adolf Hitler himself – in einer väterlich-trotteligen Version. Sein Leben wird gänzlich auf den Kopf gestellt, als Jojo bemerkt, dass seine eigene Mutter, Elsa, ein jüdisches Mädchen bei ihnen zu Hause versteckt hat. Und das hat nicht einmal Hörner, wie er vermutete.  – Starke Überzeichnung gehört zum Genre der Satire, der bissigen, oftmals politischen Komödie. Dem aktuellen Disneyfilm des Neuseeländer Komikers Taika Waititi, der durch Thor: Ragarok berühmt wurde, wird von einigen Seiten etwas zu viel Zuckerguss vorgeworfen. Doch der Coming-out-of-Age Film, der mit hochrangigen Schauspielern wie Scarlett Johansson, Sam Rockwell und Rebel Wilson aufwartet, zeigt auch viel Tiefgang und Tragik.  

Eine Filmsatire auf die NS-Zeit und den Mann mit dem kleinen Schnauzbart ist keine neue Erfindung. Im Ausland machte sich Charlie Chaplin bereits zu Hitlers Lebzeiten als „Der große Diktator“ (1940) über den wild gestikulierenden Schreihals am Mikrofon lustig, – während in Deutschland einem das Lachen lange Zeit wie ein Klos im Hals stecken blieb, angesichts des genierten Schweigens zu der „schlimmen Zeit“. Viele Jahrzehnte blieb das Dritte Reich und die Figur Hitlers ein Tabu. Mit Tragik-Komödien, wie dem italienischen Spielfilm  „Das Leben ist schön“ (1997) von Roberto Benigni, der auch in Deutschland viel Anklang fand, änderte sich diese Sicht zunehmend. Einen übersichtlichen Rückblick zur Hitler-Satire und NS-Komödie gibt die Rezension von der  Zeit-Redakteurin Marietta Steinhart „Heil me, man“.

Diese Frage „Darf man über Hitler und die NS-Verbrechen lachen – oder muss man gar?“ stellen nicht nur Filmkritiker immer wieder, wenn eine neue Hitler-Komödie anläuft. Auch filmhistorische Publikationen, z.B. die von Margit Fröhlich u.a. Hrsg. (2003): Lachen über Hitler – Auschwitz-Gelächter? setzen sich damit auseinander. Inzwischen gibt es wenig Bedenken Hitler auch hierzulande durch den Kakao zuziehen, sei es in Klamaukfilmen wie Dani LevysMein Führer“ (2007) mit Helge Schneider in der Hauptrolle oder Romanadaptionen wie „Er ist wieder da“ (2015). Schließlich nimmt es einer historischen Figur, die noch so viel negatives Charisma verströmt, etwas von ihrer Macht, wenn über sie als filmischen Charakter gelacht wird. Teil des subversiven Humors von Waititi, ist, dass er, als polynesischer Jude,  selbst die Rolle des Adolf Hitlers in Jojo Rabbit, spielt. „Könnte man Hitler mehr ärgern?“, antwortet er in einem Tweet auf die Frage, warum gerade er in die Rolle des Diktators schlüpft.

Die Sorge bleibt berechtigt, ob bei allen aktuellen politischen Entwicklungen – neuen rechten Parteiströmungen, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus – Humor nicht doch zur Verharmlosung führt. Wichtiger scheint jedoch zu sein, dass auch jüngere Generationen in Berührung mit den NS-Verbrechen kommen und einen Bezug zur Gegenwart herstellen können.  Auch Jojo gelingt es, dank Elsa, langsam zu erkennen wer die wahren Monster sind und sich, für die Freundschaft zu ihr, von seinen negativen Idolen zu lösen.

>>Güte und Menschlichkeit als Waffen gegen das Übel des Nationalismus, das ist allemal eine Botschaft, die über ein knappes Jahrhundert hinweg noch immer erschreckend zeitgemäß ist. << resümiert Anke Sterneborg epd-Kritik zu Jojo Rabbit .

Bildquelle: http://www.fox.de/jojo-rabbit