5. April, Yvonne

Die einen sagen, Rituale sind wichtig. Sie geben Halt und Struktur.
Die anderen sagen, man muss Rituale durchbrechen, um aus seiner Komfortzone herauszukommen.

Mein Mann und ich haben uns vor einigen Jahren ganz bewusst ein Ritual geschaffen, das wir nicht mehr missen möchten: Jeden Freitag nach dem Feierabend treffen wir uns in unserem Stammcafe und „läuten“ das Wochenende ein.

Die beiden Damen, die dort arbeiten, kennen uns schon recht gut, weil wir immer zur gleichen Zeit kommen.

Eines Freitags, als wir kamen, war das ganze Cafe mit Gästen gefüllt, die einen Geburtstag feierten. Als ich mich mit meinem Mann besprechen wollte, ob wir die Gesellschaft unter sich lassen sollten, kam schon eine der beiden Damen freudig auf uns zugelaufen und sie zeigte auf den Tisch, an dem wir immer sitzen. Er war leer. Beim genaueren Hinsehen, entdeckten wir ein „Reserviert“-Schildchen mit unseren Namen darauf.

Mittlerweile tauschen wir Vier uns jeden Freitag aus und ziehen gemeinsam Bilanz, wie unsere Woche so war.