15. März 2019, Ringo

Langeweile

Als ich gerade davon überzeugt war, dass die Erkältungssaison endlich vorbei ist, sucht mich eine fiese Halsentzündung heim. Nun liege ich auf dem heimischen Sofa und schimpfe darüber, dass nichts im Fernsehen kommt. Zum Lesen fehlen mir sowohl Kraft, als auch Muße und meine Accounts bei twitter und instagram kenne ich nach zwei Tagen Krankenlager schon auswendig. Soziale Kontakte scheitern daran, dass sich keiner bei mir anstecken will und außerdem arbeiten ja alle. Ich habe also einsehen müssen, dass die gewünschte Zerstreuung wohl nicht über mich hereinbrechen wird. Diese Einsicht hat etwas ganz besonderem Platz gemacht.
Nämlich der Langeweile.
Dieses Wort Langeweile begegnet mir in meinem Beruf als Erzieher fast täglich. Die Kinder kommen und beschweren sich über ihre Langeweile und verlangen nach Impulsen und Anregungen. Eigentlich sollte mir der Umgang mit Langeweile also vertraut sein.
Jetzt, wo sie aber einfach so in mein Leben tritt und ich mit ihr umgehen soll, ist sie mir zuerst fremd. Friedrich Nietzsche hat den Zustand der Langeweile als „Windstille der Seele“ bezeichnet. Und je mehr ich mich dieser Sicht auf die Langeweile hingebe und meinen Blick aus dem Fenster schweifen lasse, umso angenehmer und wohliger fühlt sie sich an. Diese Langeweile. Ich blicke an der Birke vorbei auf eine Pferdekoppel. Da passiert nichts aufregendes. Es erscheint eher langweilig. Schön langweilig.
Kurios, dass ich diese Erfahrung in der Fastenzeit mache. Mit dem Verzicht auf die gewohnte Zerstreuung geht gleichzeitig ein Gewinn für mich einher.
Langeweile.
Eigentlich ein ganz schönes Wort.