20. März 2019, Rainer

Camus-Plakat

An der Wand in meinem Büro, auf die ich immer blicke, hängt ein Plakat von Albert Camus, das mit dem letzten Satz aus seinem frühen philosophischen Werk „Der Mythos von Sisyphos“  beschriftet ist: „Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen“.

Im Theologiestudium haben wir die ersten vier Semester fast nur Philosophie studiert – das dafür aber intensiv. Camus hat mich mit seinen existenzialistischen Thesen und seinen intensiven Romanen – wie viele junge Menschen – außerordentlich beeindruckt. So beeindruckt, dass ich später meine philosophische Zulassungsarbeit über ihn und seine Theorien zur Absurdität der Existenz geschrieben habe. Der Gedanke, dass Sisyphos, der zu einer sinnlosen Arbeit verurteilt ist, Herr über sein Schicksal wird, indem er es annimmt und den Stein zu seiner Sache macht, ist ein Gedanke, der mich sehr fasziniert. Nicht weil ich denke, dass meine Arbeit an sich oder wesentliche Teile davon sinnlos wären. Vielmehr denke ich, dass eben auch die kleinen und scheinbar ohne tieferen Sinn belegten Dinge und Tätigkeiten im Leben glücksbringend sein können, wenn man sie sich zur eigenen Sache macht.