Ist kirchliche Jugendarbeit ohne WhatsApp noch denkbar? Viele würden nun den Kopf schütteln, denn der Instant-Messaging-Dienst erleichtert die Arbeit ungemein.

Was viele nicht wissen ist, dass die Diözesandatenschutzbeauftragten sich bereits im März 2017 gegen WhatsApp für die kirchliche Arbeit ausgesprochen haben, da der Dienst, der seit 2014 zu Facebook gehört, nicht mit dem kirchlichen Datenschutzgesetz vereinbar ist.

 

Zum einen wird bei der Nutzung der App der Zugriff auf das Telefonbuch erlaubt. Hierbei werden auch Daten von Personen an den Konzern weitergegeben, die WhatsApp nicht nutzen. Zum anderen hat WhatsApp angekündigt, Geräte- und Nutzungsinformationen der WhatsApp-Nutzer dem Mutterkonzern Facebook weiterzuleiten. WhatsApp erfährt über diese Metadaten zum Beispiel wann und wie oft und mit welchen Nutzern kommuniziert wurde. Eine weitere Sache, die bei der kirchlichen Jugendarbeit hinzukommt, ist, dass die Nutzung von WhatsApp laut AGB erst ab 16 Jahren erlaubt ist. Die Organisatoren einer Firmvorbereitung beispielsweise können so folglich das Kommunizieren über WhatsApp-Gruppen für jüngere NutzerInnen nicht voraussetzen.

Fakt ist, dass ein großer Teil der Jugendlichen WhatsApp nutzt (laut JIM-Studie 2017 nutzen 94% der 12- bis 19 Jährigen den Kommunikationsdienst) und darüber erreichbar ist. Eine Möglichkeit wäre WhatsApp über ein Dienst-Handy mit anonymisierten Kontakten zu nutzen und den Zugriff der App auf die Kontakte zu unterbinden.  Es ist dennoch wichtig, sie über datenschutzkonforme Alternativen aufzuklären und ein Bewusstsein für die Nutzung ihre Daten zu schaffen und zu erklären, aus welchen Gründen nun WhatsApp nicht für die kirchliche Jugendarbeit genutzt wird.

Doch welche datenschutzkonformen Alternativen gibt es, die WhatsApp ersetzen?

In den folgenden Wochen stellen wir WhatsApp-Alternativen vor:

Alternative Nr. 1: Threema

Wofür gibt es die App?

Threema ist ein Instant-Messenger für Smartphone und Tablet, der ähnliche Funktionen wie WhatsApp aufweist. Die App ist für die private Nutzung ausgelegt. Für die geschäftliche Nutzung wird Threema Work empfohlen.

Wer steckt hinter der App?

Entwickelt wurde die Messenger-App 2012 von dem unabhängigen Unternehmen Threema GmbH mit Sitz in Pfäffikon, Schweiz.

Wo finde ich die App und was kostet sie?

Die App ist für folgende Betriebssysteme verfügbar:

iOS (3,49€), Android (2,99€) und Windows Phone (1,99€), Threema Web (über Desktop-PC) ist in Verbindung mit einem Browser möglich.

Welche Berechtigungen verlangt die App? (Zugriff auf Kontakte etc.?)

Die App benötigt keine Angaben persönlicher Daten. Eine Zuordnung erfolgt über eine Threema-ID. Wer möchte kann seine Kontaktliste beim Einrichten der App mit dem Dienst abgleichen oder seine Kontakte manuell über die Threema-ID oder QR-Code einpflegen. Optional können Telefonnummer und E-Mail-Adresse mit der eigenen Threema-ID verknüpft werden. Um beispielsweise Fotos oder Medien aus der Galerie zu verschicken, benötigt die App Zugriff auf Kamera und Dokumente.

Gibt es Altersbeschränkungen laut AGB?

Threema hat keine Altersbeschränkung. NutzerInnen aus der EU, die unter 16 Jahre alt sind und ihre E-Mailadresse oder Handynummmer mit der App verknüpfen möchten (optional), müssen die Einverständniserklärung ihrer Eltern vorweisen. Die App kann jedoch anonym verwendet werden.

Welche Funktionen hat die App?

Mit Hilfe der App können unbegrenzt Textnachrichten, Fotos, Videos, Sprachnachrichten, Kontakte, Standortdaten und weitere Dateiformate in Einzel- und Gruppenchats versendet werden. Zusätzlich bietet Threema die Möglichkeit QR-Codes zu scannen und den verborgenen Link dahinter zu verschicken. Auch die Umfrage-Funktion, zum Beispiel zur Terminabstimmung, ist ein Plus, das Threema bietet. Verteilerlisten (ähnlich einem Newsletter) können einfach erstellt werden. Sprach-Anrufe sind über Threema möglich (Achtung Datenvolumen wird stark belastet!).

Ist die App bedienerfreundlich?

Pro:

  • Übersichtlich gestaltet, ähnlich wie WhatsApp aufgebaut
  • Gute Unterteilung in Kontakte und Chats
  • einstellbare Lesebestätigung bei Chat mit Kontakten
  • IDs (Kontakte) können blockiert werden

Contra:

  • Suche von Kontakten, ohne Synchronisation der Kontakte im Adressbuch, ist aufwändiger, jedoch datenschutzkonform

Wie zuverlässig und sicher ist die App (Datenschutz, Verschlüsselung)?

Der Server von Threema befindet sich in der Schweiz und unterliegt dem Schweizer Datenschutzgesetz (DSG). Die App ist mit der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) konform. Alle Nachrichten und Anhänge werden laut Threema nach Zustellung sofort vom Server gelöscht (Ende-zu-Ende-Verschlüsselung). Da die App nicht Open-Source ist (der Quellcode der App kann nicht eingesehen werden), kann nicht geprüft werden, ob eine hundertprozentige Verschlüsselung der Daten gewährleistet wird.

Fazit

Threema ist eine bedienungsfreundliche Alternative zu WhatsApp und garantiert Ihnen eine sichere Kommunikation und Datensparsamkeit. Persönliche Daten müssen nicht preisgegeben werden d.h. eine anonyme Nutzung über die Threema ID ist möglich (ohne Angabe von Handynummer und E-Mailadresse). Threema kann auch ohne Zugriff auf die eigenen Telefonbuchdaten genutzt werden. Die Daten von ihren Kontakten werden nicht automatisch synchronisiert. Ein besonderer Pluspunkt ist die Umfragefunktion, welche das Organisieren von Terminen über die App erleichtert.