Stuttgart und der Stau – das ist nicht nur eine schöne Alliteration, sondern auch leider eine unschöne Tatsache. Stuttgart als Stau-Hauptstadt der Nation.
Höchste Zeit also, dieses nun auch endlich im Tatort zu thematisieren.

Ein 14-jähriges Mädchen liegt tot am Straßenrand – offensichtlich Opfer einer Unfallflucht. Da der Fahrer keine andere Möglichkeit hatte, als auf die Weinsteige weiterzufahren, muss er dort noch im Stau stecken. Lammert begibt sich auf die Weinsteige und ermittelt im Stau, während Bootz den mutmaßlichen Augenzeugen befragt – einen dreijährigen Jungen.

Fast ein Kammerspiel. Tragisch-komisch zuweilen – aber unterhaltsam und entlarvend. Wie viele Tatorte mittlerweile mehr Sozialkritik als Krimi – aber sehenswert. Mir hat die Dramaturgie einer Ermittlung im Stau sehr gut gefallen. Im Prinzip ist es auch eine Rückkehr zum klassischen Krimi-Sujet: Wir haben eine handvoll Verdächtiger und einer davon war auch der Täter. Dann eine zweimal gewendete Ermittlungstaktik und dabei genervte Straßenpolizisten. Eine schöne Mischung. Über allem ein stoisch ruhiger Kommissar Lammert. Bewunderswert. Und am Ende eine Auflösung ohne Dramatik – ganz am Ende – fast schon im Abspann – und ohne Worte – und ein Ermittler, der seine Täterin tröstend in die Arme nimmt. Stark!

Rainer Steib

 

Foto: pixabay.com/ulleo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.