…wir arbeiten sozial, lernen sozial, kaufen sozial, essen sozial… Und das nicht einfach nur so, sondern Internet-gestützt „sozial“ – mittels sozialer online Netzwerke, Kommentar- und Empfehlungsfunktionen. Wie wollen wir als Kirche mit dieser Entwicklung umgehen? Und was wird in diesem Bereich bereits getan? Die Akademietagung „Kirche im web 2.0“ am 8./9.03.2012 in Stuttgart-Hohenheim bot den Rahmen für die „Internet-Profis“ aus dem Umfeld der katholischen und evangelischen Kirchen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.

Eröffnet wurde die Tagung mit einem Statement von Bischof Gebhard Fürst in dem er sich vorsichtig, aber grundsätzlich positiv äußerte, dass sich die Pastoral diesem kulturell-medialen Wandel stellen müsse, dass die Kirche mitgestalten und nicht nur von außen Normen hineingeben dürfe. Auf starke positive Resonanz stieß v.a. seine Unterstützung der Unabhängigkeit der katholischen Bloggerszene: diese dürfe nicht zum verlängerten Arm der Hierarchie werden. Ebenfalls auf dem Podium: Prof. Dr. Andreas Büsch, Professor für Medienpädagogik und Kommunikationswissenschaft an der Kath. FH Mainz. Sein Anliegen: Medienkompetenz! Nicht mehr das Ob, sondern das Wie sei entscheidend. Kirche müsse sich anstrengen, Menschen für ein Leben im Netz mit einer umfassenden Kompetenz auszustatten, die über die Frage technischer Bedienung hinausgehe. Ralf Peter Reimann von evangelisch.de legte seinen Schwerpunkt auf theologische Fragen, die immer noch nicht ausreichend geklärt seien, etwa das Kirchen- und Menschenbild und das Verhältnis von Kirche und Gesellschaft im Internet. Reimann plädierte aber dafür, die theologischen Fragen erst im Vollzug zu klären und mit dem Einstieg in die Social Media nicht bis zur Klärung zu warten. Mit evangelisch.de habe er sehr positive Erfahrungen gemacht; für etliche Besucher der Plattform sei das ihr „kirchliches Zuhause im Netz“.

Spannend auch: die konkrete Praxis – Kirche im web2.0. Aus rund dreißig im Vorfeld eingereichten Projekten (www.slideshare.net/baumarti/antoniusfunkepreis-2012-bewerbungen) wurden drei von einer Jury mit dem Internet-Innovationspreis „Antonius-Funke“ ausgezeichnet. Die Plätze 3 bis 1:

(3) Hallo Rom – Nicht nur ‚Ja & Amen‘!, eine Plattform der Katholischen Jugend Oberösterreich für kreative Kritik und Verbesserungsvorschläge – von Katholiken für Katholiken. http://www.hallo-rom.at
(2) Sei besiegelt! – der Firmlings-Blog der Gemeinde St. Walpurga Ramsdorf verbindet traditionelle Gruppenstunden mit der Diskussion im Internet.www.firmungramsdorf.wordpress.com/
(1) Ruhrfisch ist ein Projekt der Kinder- und Jugendpastoral im Bistum Essen, eine Kombination aus Facebook-Seite und mobilen Aktionen auf Straßen und Plätzen. www.facebook.com/ruhrfisch

Bereichernd für alle war sicherlich auch der Vortrag von Jona Hölderle (www.pluralog.de) zu den Erfolgsfaktoren beim Einsatz von Social Media. Er betonte, dass es nicht nur darum gehen könne, auch dabei zu sein, sondern hinter den Aktivitäten ein planvolles Vorgehen stehen müsse. Ein erster und zwingender Schritt sei, sich über die eigenen Ziele bewusst zu werden. Hölderle schlägt fünf Erfolgsfaktoren vor: 1.) Zuhören/Feedback einholen, 2.) Hürden abbauen (durch Kommunikation auf Augenhöhen, Transparenz und Authentizität), 3.) Mehrwert für die Zielgruppen, 4.) die erreichte Aufmerksamkeit halten, sowie 5.) Offenheit für neue Tools. Woran Sie erkennen können, ob Sie Ihre Ziele erreicht haben, können Sie in Hölderles Präsentation nachlesen: www.slideshare.net/pluralog. Jedoch: auch wenn viele Menschen auf Facebook erreichbar sind, müsse klar sein, dass die Wahl des richtigen Kanals von der Zielgruppe abhängt und keiner ausgeschlossen werden dürfe, der nicht auf Facebook sei.

Eine insgesamt sehr inspirierende Veranstaltung! Ein Besuch auf der nächsten Tagung im kommenden Frühjahr – dann in Münster – ist sicherlich wieder lohnend!

Christina Sick

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