FullSizeRenderAnlässlich des „Internationalen Tages der Menschenrechte“ (10. Dezember) wird seit 1998 im zweijährigen Rhythmus der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis in Nürnberg verliehen. 416 Filme über Menschenrechte wurden eingereicht.

Eine Auswahl der Preisträgerfilme in den Kategorien Langfilm, Kurzfilm, Magazinbeitrag, (Film-) Hochschule sowie Amateure ist im Moment in ganz Deutschland unterwegs und wird öffentlich gezeigt.

Ziel ist es, breite Teile der Gesellschaft auf die ungebrochene Aktualität der Menschenrechte und deren Schutz hinzuweisen und zum Handeln zu ermutigen. Erstmals fand am 22. Januar die „Lange Nacht des Menschenrechtsfilms“ auch in Stuttgart statt. Zwei Filme zeigten besonders eindrücklich Schicksale von Menschen unterschiedlicher Herkunft, die von Menschenrechtsverstößen betroffen sind.

In der Kategorie Magazinbeitrag zeigte der Preisträgerfilm „Yussuf – Die Geschichte einer Flucht“ in acht Minuten die dramatische Fluchtgeschichte des Somaliers Yussuf.

Der 18-Jährige stand mit dem Eintritt in die Fußball-Jugendnationalmannschaft bereits kurz davor sich seinen Traum zu erreichen. Er soll jedoch schon nach kurzer Zeit seinen Platz zugunsten eines Clan-Mitglieds aufgeben – sonst muss er sterben.

Mit dieser Drohung beginnt seine Fluchtgeschichte, die von Somalia in die Sahara und in ein libysches Folter-Gefängnis führt. Die Erzählungen Yussufs und die heimlichen Aufnahmen der Flucht lösen beim Zuschauen Gänsehaut aus.

Schlepper nutzen die Situation der Flüchtlinge aus, peinigen sie und fordern auf halber Strecke weiteres Geld. Auch die Trinkwasserversorgung ist katastrophal. Yussufs Freund stirbt auf der Flucht durch die Sahara und er bleibt nicht der Einzige. Mit einem überfüllten Boot erreicht er endlich Italien und trifft hier auf unmenschliche Bedingungen. Das Land ist überfordert und kann kaum Unterkünfte und Unterstützung bieten.

Yussuf flieht weiter nach Deutschland und kommt hier zur Ruhe, er kann sogar seiner Leidenschaft Fußball nachgehen. Das Gefühl von Stabilität und Sicherheit ist jedoch nicht von Dauer: Yussuf soll nach Italien abgeschoben werden – die europäische Asylgesetzgebung verlangt es so.

Diese unglaublich komplexe Fluchtgeschichte steht für hunderte ähnliche Geschichten und das Versagen der europäischen Flüchtlingspolitik.

Eine andere Geschichte erzählen die Studenten Anna Frances Ewert und Falk Müller der Filmhochschule München. Ihr Film zeigt die Lebensbedingungen im größten Roma-Ghettos „Nadeshda“ (auf Deutsch „Hoffnung“) in Bulgarien. Eindrucksvoll werden hier zwei Roma-Familien, die im Ghetto leben, portraitiert.

Die Filmemacherin Anna Frances Ewert erzählte im Filmgespräch der Veranstaltung, wie sie die Kinder der Familie über das Projekt „Musik statt Straßen“ kennenlernte und diese zunächst zwei Wochen ohne Kamera begleitete. Das aufgebaute Vertrauen zu den Protagonisten spiegelte sich auch im Dokumentarfilm wider. Das Filmteam begegnete den Familien auf Augenhöhe und gerade das macht den Dokumentarfilm sehr authentisch.

Ohne sich zu verstellen oder von der Kamera irritiert zu sein, sprechen die Familienmitglieder offen in Alltagssituationen über ihre Hoffnungen und Ängste. Die 12- Jährige Tsveti träumt z.B. davon eines Tages die Musikschule außerhalb der Stadt besuchen zu können. Die Eltern von Misho und Zorka möchten gerne ihre provisorische Garagenunterkunft für eine Wohnung außerhalb des Ghettos aufgeben und erhoffen sich dort eine bessere Zukunft. Aber die Wohnungssuche gestaltet sich sehr schwierig. Beide Familien sprechen auch über Tabuthemen im Ghetto, wie entführte Mädchen und frühe Heirat. Beide Familien leben auf unterschiedlichen Lebensstandards und haben eine unterschiedliche soziale Herkunft. Eindrucksvoll wird hier alltägliche Diskriminierung und Ausgrenzung dargestellt.

Bis Mai 2015 touren die Preisträgerfilme in Deutschland. Wer Interesse hat, sich die Filme anzuschauen und mit den Filmemachern in Dialog zu treten, kann sich unter www.menschenrechts-filmpreis.de über weitere Termine der „Langen Filmnächte des Menschenrechtsfilms“ informieren.

Sie möchten einen Preisträgerfilm gerne im Unterricht oder bei einer Veranstaltung zeigen?

Wenden Sie sich an Herrn Junghänel vom Deutscher Menschenrechts-Filmpreis, Mail: info@menschenrechts-filmpreis.de

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