Ist es besser nach dem Fußballspiel über die Fehlentscheidung oder über den Video-Beweis zu diskutieren?

Grundsätzlich ist es doch überhaupt gut, wenn die Leute nach dem Fußballspiel miteinander ins Gespräch kommen. Derzeit gibt es die kategorischen Befürworter und die kategorischen Gegner des Videobeweises.

„An den ersten elf Spieltagen (99 Spiele) wurden 158 Entscheidungen durch den VAR in Köln gecheckt und bestätigt. In 33 Fällen wurde korrigiert. Also mehr Gerechtigkeit durch weniger als zwei Einsätze des Video-Assistenten pro Spiel.“ (Quelle: Bild)
Allerdings gab es auch viel Verunsicherung, vor allem dann, wenn der Videoschiri sich ungefragt einschaltete. Und in der Tat mag man sich fragen, für was man dann noch einen Schiedsrichter braucht, wenn doch am Schluss der Videoschiri alles entscheidet. Die Regeln, wer wann wie entscheidet, waren einfach unklar. Das soll nun anders werden: „Er soll nur bei glasklaren Fehlern wie z.B. den Phantom-Toren von Helmer oder Kießling (Tor, obwohl der Ball gar nicht im Tor war) eingreifen. Oder wenn es hinter dem Rücken des Feld-Schiris eine Tätlichkeit gegeben hat, die dieser nicht sehen konnte. Oder wenn es eine lupenreine Schwalbe im Strafraum gegeben hat, auf die er reingefallen ist.“ (Quelle:Bild)

Das aktive Eingreifen soll also sehr beschränkt werden – und das ist auch gut so. Das Anfordern eines Videobeweises durch den Schiedsrichter ist damit aber noch nicht ganz geregelt. Klar ist schon aus der Vergangenheit, dass er bei Tor (Abseits?), Elfmeter (Foul?) oder roter Karte anfordern kann. Bei einer zweiten gelben (die dann ebenso zum Spielerausschluss führt) darf er das nicht, obwohl eine Fehlentscheidung hier natürlich genauso spielentscheidend sein kann (wie der VFB Stuttgart unlängst schmerzlich erfahren musste). Hier müsste m.E. noch mal nachgedacht werden. Außerdem wird bei einer groben Fehlentscheidung dann natürlich die Frage bleiben, warum der Schiedsrichter keinen Videobeweis angefordert hat, obwohl er dies ja hätte tun können. Da braucht es vielleicht Regelungen wie im Volleyball oder Hockey, wo Spieler auch den Videobeweis anfordern dürfen, aber nur solange sie dabei Recht behalten.
Alles ziemlich kompliziert? Ja – aber die Alternative ist, Fehlentscheidungen anzunehmen und sich nicht darüber aufzuregen.

 

Autor: Rainer Steib

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