Fast 50 Jahre nach dem Ursprungsfilm „Planet der Affen“ mit Charlton Heston (1968) kommt der vorerst letzte Teil der neu-aufgelegten Trilogie in die Kinos. Mit 140 Minuten ist das Werk zunächst einmal wieder ein langes – vielleicht ein wenig zu langes Opus. Die Geschichte hätte auch ein wenig kürzer und stringenter erzählt werden können.

Beachtenswert ist der Film dennoch, denn es gelingt ihm zweierlei: Ein Perspektivwechsel und eine nahezu perfekte Computeranimation. Das sogenannte Motion-Capture-Verfahren, das mit markierten Punkten auf echten Schauspielern deren Mimik und Gestik auf die computeranimierten Figuren überträgt, schafft eine unglaubliche Illusion und der Zuschauer gewöhnt sich von Beginn an glaubhaft agierende (und zuweilen sprechende) Affen.

Wie Motion-Capturing funktioniert, erfahrt ihr in diesem Video:

Der Film geht sofort in medias res und schildert den Angriff einer Gruppe von Soldaten auf die Affen. Dies geschieht zunächst noch aus der Perspektive der Soldaten bzw. Menschen. Nach wenigen Minuten wechselt der Film dann aber zur Affenperspektive, wo er für den Rest des Geschehens verbleibt. Unter den menschlichen Darstellern im Film gibt es eigentlich nur drei, die erwähnenswert sind: ein kleines stummes Mädchen, das von den Affen gerettet und mitgenommen wird, Woody Harrelson als verrückt-brutaler Colonel, der schließlich lieber von eigener Hand stirbt, als durch einen Virus seine Sprache zu verlieren und ein Soldat und Armbrustschütze, der den Affenanführer Ceaser zu Beginn des Films nach Gefangennahme frei lässt, der aber umgekehrt am Ende Ceasar bedenkenlos töten würde.

Dieser Armbrustschütze ist die eigentliche Kulminationsfigur des Films. Während der Zuschauer bis zuletzt auf eine menschliche und gerechte Reaktion von ihm wartet, ist es dann der mit den Menschen kooperierende Gorilla, der eine Wende vollzieht und Ceasar rettet, indem er den Soldaten in die Luft sprengt.Die Menschen selbst scheinen zu keiner Wandlung fähig und selbst die am Ende heranstürmenden Truppen, die dem Colonel und seinen Versprengten ein Ende bereiten, würden dennoch das Feuer auf die Affen eröffnen, wenn sie nicht rechtzeitig mit Mann und Maus durch eine riesige Lawine dahingerafft würden.
Während die Affen an sich zweifeln, mit ihrem Hass hadern, ihr Gewissen befragen und Mitleid walten lassen sind die Menschen im Film zwar nicht eindimensional aber schlussendlich eben nicht zur Besserung fähig. Der Film endet dort, wo der 68er Film dann beginnt – auf einem Planeten, der sich einer unverbesserlichen Menschheit entledigt hat und die Herrschaft in die Hand der Affen gegeben hat, weil diese die besseren Menschen sind.

 

Autor: Rainer Steib

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.