Darf ich Sie fotografieren? Vorlage für Einverständniserklärung

Im Visier der Fotografin (Foto: Tino, jugendfotos.de)

Ihre Öffentlichkeitsarbeit braucht Gesichter: Fotos von Menschen machen Gemeindebrief und Co interessant. Doch oft ist unklar, wen Sie wann fotografieren dürfen – und vor allem ob Sie das Bild veröffentlichen dürfen.

Zum Glück haben viele Gemeindemitglieder kein Problem damit, ihr Lächeln im Gemeindebrief zu zeigen. Und in einigen Fällen ist das Fotografieren unproblematisch: Hilfreich ist dabei der einfache Bildrechte-Wegweiser von Pfarrbriefservice.de.

Doch es gibt auch viele Menschen, die nicht abgelichtet werden wollen. Insbesondere wollen viele Eltern nicht, dass Fotos von ihren Kindern veröffentlicht werden.

Daher sollten Sie sich immer absichern und die Einwilligung einholen. Zum einen, weil Sie dann rechtlich abgesichert sind. Zum anderen, weil es oft nicht um juristische Korrektheit geht: Selbst wenn Sie ein Foto rechtlich gesehen verwenden dürften, fragen Sie lieber nochmal nach. Als Kirche wollen wir nicht stur auf unserem Recht beharren, sondern eine gute Beziehung zu allen Menschen pflegen. Wenn jemand auf Fotos nicht auftauchen will, dann nehmen wir ein anderes Bild. Und um allen bewusst zu machen, wofür fotografiert wird, fragen wir ausdrücklich um die Einwilligung zum Abdruck.

Um das Einverständnis von abgelichteten Personen oder bei Kinderfotos von den Eltern einzuholen, können Sie folgende Vorlage verwenden, die Diözesanjustitiar Professor Felix Hammer zur Verfügung gestellt hat. Bitte beachten Sie dazu unbedingt folgende wichtige Hinweise:

  1. Die Vorlage ist nicht formatiert, da Sie Ihren eigenen Briefkopf verwenden sollen. Ergänzen Sie, wie unten angegeben, Ihre Kontaktdaten sowie Ihr Logo.
  2. Diese Vorlage deckt das Recht am eigenen Bild, also das Recht der abgelichteten Personen ab. Andere Aspekte des Medienrechts, zum Beispiel der Fotografen, sind damit nciht geregelt. Hierzu beachten Sie bitte den Bildrechte-Wegweiser von Pfarrbriefservice.de.
  3. Wenn Sie einen Konflikt um Bildrechte haben, zum Beispiel eine Abmahnung erhalten haben oder ein Gemeindemitglied sich beschwert, sprechen Sie auf jeden Fall zuerst mit der zuständigen Rechtsabteilung; für die Diözese Rottenburg-Stuttgart ist das der Diözesanjustitiar.
  4. Alle Hinweise hier sind nach bestem Wissen und Gewissen verfasst, aber sie stellen keine Rechtsberatung dar. Daher wird keine Gewähr übernommen.

Hier können Sie die Textvorlage runterladen (Word-Dokument): Einwilligung in die Verwendung von Personenbildnissen/Kinderbildnissen

Praxistipp Von allen Personen oder Eltern die Einwilligung einzuholen ist aufwendig – aber notwendig. Am besten, Sie machen es sich zur Gewohnheit, gleich bei jeder Anmeldung auch diese Einwilligung (oder den Widerspruch) unterschreiben zu lassen. Wenn Sie beim Anmelden zum Ausflug, Chor, Ministranten, Erstkommunionvorbereitung, Jugendgruppe, Ehrenamt, Ferienlager und so weiter immer direkt auch diese Frage klären, ist der Aufwand händelbar.

Nachtrag Zur Frage, wie lange Einverständniserklärungen aufbewahrt werden müssen, gebe ich die Informationen von Diözesanjustitiar Professor Felix Hammer wieder:

  • Grundsätzlich sollte die Einwilligung so lange aufbewahrt werden, wie die Bildveröffentlichung währt. Denn das Dokument der Einverständniserklärung hat ja vor allem auch den Beweiswert, dass die Erklärung überhaupt erging. Ist es vernichtet, kann dieser Beweis unmittelbar nicht mehr erbracht werden. Auch außer halb eines förmlichen Rechtsstreits lassen sich so Mißhelligkeiten oder Vorwürfe lösen oder verhindern.
  • Dies gilt jedenfalls für Bilder im Internet: Solange diese über den Internetauftritt einer Organisation oder Einrichtung eingesehen werden können, sollte man die Einverständniserklärung zur Verfügung zu haben.
  • Bei Printmedien ist zu differenzieren: Bei der Tagespresse, Pfarrbriefen, Flyern etc., die nur eine sehr kurze „Halbwertszeit“ haben, genügt eine Aufbewahrung für einige Wochen oder Monate. Danach ist es 1. sehr unwahrscheinlich, dass sich überhaupt noch jemand meldet, 2. wird es in aller Regel ausreichen, dass man sich für die Abbildung entschuldigt, wenn man das Einverständnis nicht mehr nachweisen kann, und 3. wird ein Rechtsstreit kaum noch geführt werden oder er lässt sich mit einem Vergleich zu Ende bringen. Bei Büchern oder Magazinen etc., die länger aufbewahrt werden, ist die Einverständniserklärung mindestens vier Jahre aufzubewahren. Danach ist es auch hier sehr unwahrscheinlich, dass sich noch jemand gegen die Bildveröffentlichung wehrt. Im übrigen sind Ansprüche gegen die Bildveröffentlichung dann wohl verjährt. Die Verjährungsfrist beträgt hier drei Jahre, Verjährungsbeginn ist aber erst am Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist. Das dürfte der Erscheinungszeitpunkt der Publikation sein.
  • Zudem kommt Verwirkung des Anspruchs in Betracht. Hierfür genügt normalerweise reines Nichtstun nicht; es muss ein positiver Vertrauenstatbestand geschaffen werden, etwa indem man das Bild sieht und zu erkennen gibt, dass man sich über dieses freut oder dass man sich zwar ärgert, aber nichts dagegen unternehmen wird. Je älter ein Bild wird, desto weniger wird man mit Erfolg gegen dieses vorgehen können, weil dieses Bild ja auch „veraltet“.
  • Wenn Sie eine einfache Regel wollen, könnten Sie aufnehmen, dass man die Einverständniserklärung so lange aufbewahren sollte, wie das Bild „wirkt“, also im Internet zu finden oder als Papierpublikation noch in intensiverer Nutzung ist; mindestens sollte man die Erklärung aber vier Jahre aufbewahren.

Bitte beachten Diese Hinweise können keine Rechtsberatung ersetzen – bitte nehmen Sie in allen kritischen Fällen eine solche in Anspruch.

Noch Fragen, Rückmeldungen oder Wünsche? Sprechen Sie mich an!

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