Milzer, Georg: Digitale Hysterie; Warum Computer unsere Kinder weder dumm noch krank machen; Beltz Verlag; ISBN:978-3-407-86406-2

Verbringen Kinder und Jugendliche heutzutage zu viel Zeit vor Computer und Tablet? Die meisten Erwachsenen würden diese Frage wohl spontan mit ja beantworten.

Und selbst wenn man sich der „digitalen Hysterie“ noch nicht angeschlossen hat, ist doch bei den meisten von uns ein ungutes Gefühl in Bezug auf die zunehmende Digitalisierung unseres Alltages vorhanden. Dabei ist die Debatte um dieses Thema oft von Schwarz-Weiß-Denken beherrscht.

Von dieser Art Pauschalaussagen heben sich die Thesen in „Digitale Hysterie; Warum Computer unsere Kinder weder dumm noch krank machen“ wohltuend ab. Der Autor Georg Milzer leugnet nicht die alltäglichen Probleme mit der Digitalisierung, aber er deckt die Schwachpunkte der vielzitierten, wissenschaftlichen Studien auf und relativiert so deren besorgniserregende Ergebnisse. Mit Beispielen aus seiner psychologischen Praxis, er arbeitet gerade mit den Fällen von Computerspielsucht vor denen alle Eltern Angst haben, kann er überzogene Ängste vor einer Generation von computersüchtigen Jugendlichen abschwächen.

Für den Autor hat von vielen unbemerkt ein kultureller Wandel stattgefunden, der eben auch die Kindheit und die Welt der Heranwachsenden verändert hat. Aber nicht nur sie, auch Erwachsene widmen ihre Zeit vermehrt ihren technischen Geräten. Sie missachten dabei die Person, die ihnen gegenüber sitzt, meist ohne dass es ihnen bewusst wird. Gerade diese widersprüchliche Haltung der Erwachsenen deckt der Autor auf. Die Nutzung von Computern und Smartphones bei den eigenen Kindern verfolgen wir mit fast hysterischer Angst, während die permanente, eigene Computer und Smartphone Nutzung nicht hinterfragt wird.

Für Georg Milzner ist die Lösung für Kinder und Erwachsene eine „Aufmerksamkeitsethik“, deren Schlüsselfunktion mehr Kommunikation mit der anwesenden Person ist. Zusätzlich empfiehlt er den Eltern sich mehr Medienkompetenz in Form von „ausprobieren“ (z.B. das Computerspiel der Kinder) anzueignen und so hinter die Faszination Computerspiel zu kommen.

Das Buch ist stellenweise vielleicht eine Spur zu optimistisch, was die Vorteile einer zunehmenden Digitalisierung des Alltags anbelangt. Aber es wiederlegt nachvollziehbar bestimmte stereotype Haltungen gegenüber Computernutzung von Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig zeigt es deutlich, dass das Problem nicht die jungen Menschen alleine betrifft und bietet so mit seinen Lösungsvorschlägen einen guten Ausgangspunkt für Diskussionen.

Andrea Hettler

Medienreferentin des Ökumenische Medienreferentennetzwerks

Interview mit dem Autor:

http://www.spiegel.de/schulspiegel/georg-milzner-ueber-videospiele-fuer-kinder-a-1075921.html

http://www.schiebener.net/wordpress/author/detlef-traebert/

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