Bregenzer Festspiele – moodley

Der heimliche Star bei der diesjährigen Aufführung auf der Bregenzer Seebühne ist der Projektor. Denn das Bühnenbild, das aus den beiden großen Händen und einer Vielzahl von in der Luft schwebenden und am Boden liegenden Spielkarten besteht, ist in erster Linie eine Projektionsfläche. Dabei wird auf alle Karten einzeln projiziert, sodass hier verschiedene Farbtöne, verschiedene Motive oder auch ein Live-Ausschnitt aus dem Opernspiel erscheinen können. Manchmal ist es für den Zuschauer schwer zu entscheiden, ob er nun auf diese kunstvollen kleinen Projektionen schauen soll, auf die Darsteller auf der Bühne, auf die am Rand eingeblendeten Orchestermusiker oder eventuell auf die eingeblendete Übersetzung der Texte. Und schließlich kommen auch Statisten, bzw. eine Stunttruppe dazu, die sich im Hintergrund äußert kunstvoll, wenn auch vom Sinn her nicht immer ganz nachvollziehbar, durch die Kulisse schlängelt, klettert, abseilt ….

Dass die Bregenzer Aufführungen musikalisch auf einem hohen Niveau stehen, ist fraglos. Mit der Carmen-Inszenierung ist aber ein Gesamtkunstwerk gelungen, das auch die modernen Mittel der Videoprojektion großartig in die Dramaturgie einbindet. Anfangs werden über die Spielkarten, die Charaktere vorgestellt, später werden die zukunftsweisenden gelegten Karten dort projiziert. Dann werden Stadtansichten zur Verdeutlichung des Ortswechsels gezeigt usw.

Die Bregenzer Inszenierungen neigen manchmal dazu, zuviel der Register zu ziehen – es wurde oben schon angesprochen. So gibt es zum siegreichen Stierkampf dann auch noch obendrauf ein Feuerwerk. Dieses kann die einmalige Stimmung mit Sonnenuntergang über dem Bodensee zu Beginn der Vorstellung aber ohnehin nicht toppen und wäre daher ebenfalls verzichtbar.

Bregenzer Festspiele – Karl Forster

Bei Carmen gelingt es auch wieder, den See als solchen sinnvoll und sinnenreich in die Inszenierung einzubinden. Während bei manch andern Opernstoffen schon ab und an die Darsteller mehr oder weniger sinnfrei mit Booten zu oder von der Bühne transportiert wurden, ist es hier wirklich das Wasser selbst – der See eben – der eine ihm angemessene Rolle bekommt. Beim wilden Tanz der Truppe und der Hauptdarsteller wird die Bühne langsam ins Wasser abgesenkt, sodass die immer stärkeren Wasserbewegungen und -spritzer ein eindrückliches Bild der sich steigernden Ekstase werden. So wird an verschiedenen Stellen das Wasser berührend eingebunden – auch wenn es, wie beispielsweise in einer Regenszene, in der die ganze Bühne beregnet wird in erster Linie beim Zuschauer zu den dankbaren Überlegungen führen wird, wie gut es ist, dass es nur auf der Bühne und nicht auch auf den Zuschauerrängen regnet. Stilgerecht wird Carmen am Ende des Stücks von Don Jose auch nicht erstochen, wie es die Vorlage nahelegt, sondern im See ertränkt.
Insgesamt eine sehr gelungene Inszenierung mit tollen Projektionen.

Weitere Infos unter https://bregenzerfestspiele.com/

 

Autor: Rainer Steib

 

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