tagung medienstiftungEin „Internet für die Menschen“ wünscht sich Bischof Gebhard Fürst. Das derzeitige „Internet der Dinge“, das mithilfe vieler digitaler Angebote Daten sammle, mache den Menschen berechenbar und kommerziell ausnutzbar. Das stehe im Gegensatz zum christlichen Bild des Schöpfergottes, der den Weg seiner Geschöpfe mit wohlwollender Anteilnahme begleite. „Der Mensch lebt von Anfang an mit dem wohlwollenden Blick der Anderen“, so Fürst bei der Tagung „Am Puls des Ichs“, die am Mittwoch, 15. April im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart stattfand.

Der Mensch bemächtige sich mit Hilfe des Internets nach und nach göttlicher Eigenschaften. Er wolle sein wie Gott, so Fürst. Er zitiert Eugen Biser, der schon 2005 schrieb: „Der Mensch erobert den Himmel und verschafft sich durch die Raumfahrt Allgegenwart; durch die globale Informations- und Überwachungstechnik, Allwissenheit und durch die Biotechnik beinahe schöpferische Allmacht.“ Aus den maschinell gesammelten Daten würden Profile erstellt, die das Verhalten der Menschen prognostizierbar, berechenbar und kommerziell nutzbar machten. Privatsphäre verschwinde. Den Segen der Technik müssten die Menschen mit ihren Daten bezahlen. Große Konzerne, wie eben Google, Facebook, YouTube oder Amazon hätten so „in stetig wachsendem Ausmaß Auswirkung auf uns als Nutzer, auf gesellschaftliche Ereignisse sowie politische Prozesse“.

Für den Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz dienen die sozialen Netzwerke zur Kompensation einer narzisstischen Störung, die oft im Kindesalter entsteht. Die sozialen Netzwerke lenken ab von den eigentlichen Fragen nach dem eigenen Selbst. Die Selbstdarstellung im Internet ist einseitig und kann zu Fehleinschätzungen führen. Der Medienwissenschaftler Dr. Thomas Christian Bächle sieht die sozialen Netze eher positiv für die Herstellung der eigenen Identität. Sie schließen an andere Formen der Identitätsbildung durch Mediennutzung, etwa an das Reisefotografie oder Familienfoto. Die Selbstdarstellung im Selfie spiegele nur das Bedürfnis nach einer eigenen Identität.

In der anschließenden Diskussion bekam Bischof Fürst für seine Kritik an der Datensammlung Beifall aus dem Publikum. Der Bischof mahnte zur Vorsicht im Umgang mit den sozialen Netzen. Der Mensch werde verfügbar, wenn er fünfzig Jahre lang seine Daten veröffentliche, so der Bischof. Medienwissenschaftler Bächle warnte davor, nur auf die Gefahren der sozialen Netzwerke zu schauen. Angst macht aber das Eigenleben der Datenverwendung, wie sie in den letzten Jahren möglich wurde. Der Psychoanalytiker Maaz dagegen sieht die Entwicklungen als ein Spiegel der Psychopathologien der Menschen heute. Wichtig ist ihm die Diskussion darüber, um die Gefahren abzuwehren und die Chancen zu nutzen.

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