In diesem Blogbeitrag möchte ich auf ein Medienprojekt mit geflüchteten Jugendlichen aufmerksam machen, das eine ehemalige Arbeitskollegin von mir in Riesa durchgeführt hat. Ich bin sehr begeistert von dem Projekt, denn es lässt sich in jeder andere Stadt durchführen, ob Groß- oder Kleinstadt oder in einem Dorf. Überall gibt es Orte, die historisch bedeutsam sind, die einen persönlich berühren oder einfach nur einen Treffpunkt für die Gemeinschaft bilden.

 

willkommen-in-riesaDas SAEK Riesa hat zusammen mit der Jugendhilfe der Volkssolidarität Riesa- Großenhain in den Sommerferien ein Medienprojekt mit geflüchteten Jugendlichen durchgeführt. Im Projekt namens „Ankommen in Riesa“ stellen unbegleitete jungen Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan und Pakistan Orte in Riesa vor. Sie alle leben erst seit kurzer Zeit in Deutschland und haben sich für Orte entschieden, die für sie aber auch für andere wichtig sein können. Es entstanden Film- und Audioaufnahmen, teilweise in ihrer Muttersprache, und Fotografien zu den ausgesuchten Orten in Riesa. Diese werden auf ihrer Homepage https://ankommeninriesa.wordpress.com/ gesammelt. Plakate mit QR-Codes, die auf die Vorstellungsseite des Ortes verweisen, werden in die jeweiligen Sprachen übersetzt und in den Unterkünften verteilt.

 

Damit Sie einen Eindruck vom Projekt bekommen können, habe ich die leitende Medienpädagogin Antje Rauscher zum Projekt interviewt.

 

Liebe Antje, vielen Dank, dass du uns Auskunft über das Projekt gibst.

Woher stammt die Projektidee?

 Die Projektidee kommt eigentlich nicht von mir. Die habe ich mir abgeschaut. Auf dem Medienpädagogik-Praxis-Blog werden sehr tolle, nachahmenswerte Projekte vorgestellt. Im Blog habe ich recherchiert, weil ich selbst wenig Erfahrungen mit geflüchteten Jugendlichen habe. Hier habe ich zwei tolle Projekte kennen gelernt, von denen ich sofort begeistert war und dachte, das möchte ich unbedingt nachmachen.

 

 Das Projekt fand in Kooperation mit der Jugendhilfe Volkssolidarität Riesa- Großenhain statt, wie wichtig ist es einen solchen Kooperationspartner zu haben?

 Einen Kooperationspartner zu haben ist immer sehr wichtig. Das Projekt definiert sich auch immer gemeinsam mit ihm. Und der Kooperationspartner bringt natürlich immer auch noch andere personelle Kompetenzen mit. In diesem Fall sind das die Sozialpädagogen, die in der Arbeit mit den Jugendlichen tätig sind. Sie dabei zu haben ist extrem wichtig für ein gelungenes Projekt.

Wie bist du auf die Geflüchteten zugegangen? Wie entstand der Kontakt?

Der Kontakt mit den Geflüchteten kam mit der Volkssolidarität zustande. Wir hatten bereits ein längerfristiges Projekt mit ihnen gemacht. Die Volkssolidarität betreut seit kurzer Zeit die Minderjährigen unbegleiteten Geflüchteten. Die Idee für ein gemeinsames Projekt stand schon länger im Raum. Wir als SAEK haben unsererseits überlegt welchen Bildungsbeitrag wir leisten können, da wir überzeugt sind vom Potenzial, medienpädagogischer Arbeit mit Geflüchteten. 

 

Was war genau Deine Aufgabe? Mit welcher Technik habt ihr gearbeitet?

 Meine Aufgabe war es das Projekt zu konzipieren und strukturieren und dann in der Leitung zu übernehmen. An Technik haben wir mit den Smartphones der Jugendlichen gearbeitet und mit Kamera und Schnittcomputern aus unserem SAEK.scrrenshot-ankommen-in-riesa


Wie seid ihr beim Projekt genau vorgegangen? Welche Herausforderungen haben sich im Projektverlauf ergeben?

 Unser Projekt ging fünf Tage vom 10.00-14.00 Uhr. Aus der Wohngruppe der MuG hatten wir 6 Jungen. Dazu kamen zwei verantwortliche Sozialpädagogen. Am Projekt nahmen noch zwei Mädchen mit teil, ebenfalls mit Migrationshintergrund teil. Die Mädchen leben schön länger in Deutschland und hatten die Funktion des „Dolmetschens“. Begonnen haben wir mit der Ideensammlung, welche Infos und Orte über Riesa wir auf unser QR-Code Poster bündeln wollen. Danach musste recherchiert und Infos zusammengetragen werden. Dann überlegten wir, welche Medien wir benutzen und wie alles aufbereitet wird. Dann machten wir Fotos, Videos und schrieben Texte. Die Videos wurden von den Teilnehmern geschnitten.

 Jetzt waren bei dem Projekt viele Jugendlichen mit unterschiedlicher Muttersprache beteiligt. Wie fand bei euch die Kommunikation statt?

 Die Kommunikation fand in Deutsch statt. Dies war für alle eine Herausforderung, in erster Linie für die Jugendlichen. Alle leben erst seit wenigen Monaten in Deutschland. Und natürlich sprechen alle erst seit wenigen Monaten Deutsch. Die medienpädagogische Arbeit wird natürlich erschwert, wenn die Kommunikationsbasis nicht so einfach ist. Also man sich nicht schnell Dinge zurufen kann, sondern immer Zeit und Geduld zur Vermittlung benötigt. Andererseits ist Technik relativ leicht zu bedienen. Zudem sind sie Jugendliche. Sie erschließen Technik schneller oder anders als Erwachsene. Sie unterscheiden sich also nicht von deutschen Jugendlichen. Hier liegen meiner Meinung nach auch die Stärken eines solchen Projektes. Erfolge lassen sich schnell erzielen. Lernerfolge sind essenziell für die Motivation und das Dranbleiben. Es wird ausschließlich deutsch gesprochen. Aber da sie mit „Einheimischen“ sprechen müssen, lernen sie die Sprache aktiv. Dolmetschend wurden wir von einem arabisch sprechenden Mädchen (aus Syrien) unterstützt. Sie lebt bereits seit zwei Jahren in Deutschland und ist mittlerweile auf die Oberschule und spricht sehr gut Deutsch.

 

Wie ist das Projekt bei den Jugendlichen mit Fluchterfahrung angekommen?

 Das Projekt kam bei den Jugendlichen gut an. Natürlich hatten alle noch ihre Schwierigkeiten mit der Sprache. Vor allem die inhaltliche Planung war kraftzehrend. Aber bei der praktischen Umsetzung konnten sich die Jugendlichen besser einbringen. Aber in den Herbstferien führen wir das Projekt weiter. Wir werden versuchen, noch praktischer zu arbeiten.


Wie wird das Projekt fortgeführt?

 Das Projekt wird weitergeführt in den Herbstferien. Wir vom SAEK stellen uns eine längerfristige Zusammenarbeit vor. Erstens können die Infos immer wieder erneuert oder erweitert werden. Es können neue Orte und Stationen hinzukommen. Außerdem sollen die Infos alle mehrsprachig abrufbar werden, sodass sie für Geflüchtete aus verschiedenen Herkunftsländern interessant sind.

 

Welche Tipps würdest du Interessierten geben, die das Projekt nun in Ihrer Stadt durchführen möchten?

 Auf jeden Fall muss das Projekt praktisch angelegt sein. Die Jugendlichen sollen schnellstmöglich selbstständig arbeiten. Aber dennoch sollen Sprache und Kommunikation gepflegt werden. Sie ist ein wesentlicher Projektinhalt. Wichtig sind kleine Gruppen und ein guter Betreuungsschlüssel. In kleinen Gruppen sind alle gut aufgehoben. Wichtig ist alle mitzunehmen. Keiner soll das Gefühl bekommen, abgehängt zu werden.

 

Vielen Dank Antje Rauscher für dieses Interview!

 

Weitere Infos auf www.saek-riesa.de

 

 

 

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